Erzählcafé im Bergbaumuseum Achthal

Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit
Gemütliche Runde beim Erzählcafé des Wirtschaftskreises Teisendorf (WKT) - Herbst 2026.
Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat am 25.09.2026 das Erzählcafé des Wirtschaftskreises Teisendorf im Achthal Halt gemacht. Der Wunsch zu einer zweiten Runde mit Erinnerungen an das frühere Achthal wurde bereits beim ersten Treffen im April geäußert. So trafen sich im Vortragsaal des Bergbaumuseums „Eisenreich“ am frühen Nachmittag sechzehn Gäste aus dem Achthal, Neukirchen, Teisendorf und sogar aus München. Sie wurden von Heidi Schubeck als Vorsitzende des Wirtschaftskreises herzlich begrüßt.
Passend zum Motto „Historische Bilder rund ums Achthal“ konnte jeder seine Bilder mitbringen und die Erinnerungen dazu aufleben lassen. Das war eine gute Idee von Detlef Schödel-Krey, der die Organisation und Moderation der Veranstaltung für den WKT übernommen hatte, inklusiv selbstgebackenen Apfelstrudels und Kaffee.
Am Beispiel eines Klassenfotos von 1947 sprudelte die Erinnerungen an die Schulzeit kurz vor und nach dem Kriegsende. Denn einige Anwesende hatten sich selber, beziehungsweise Angehörige wiedererkannt. Es ging um den beschwerlichenWeg zu Fuß oder mit dem Fahrrad ins Achthal - oder später beim Besuch weiterführender Schulen noch weiter. Auch das Thema Essensmarken und Schulspeisung nahm breiten Raum ein. Dazu präsentierte Herbert Schader aus dem Museumsdepot zwei Zinnteller, die für die Schülerspeisung von Engelbert Deininger gegossen worden waren. Erwin Remmele, mit seiner Frau extra aus München angereist, hatte das gebundene Schulentlassungsheft mit der sauberen Schrift und den abgezeichneten Tafelbildern, mitgebracht. Die Besucher waren begeistert, viele Diskussionen zum Thema Schule damals und heute entwickelten sich daraus. Durch seine hervorragende Arbeit hat sich vor allem Lehrer Kottermeier im Achthal ein bleibendes Denkmal gesetzt. Nach Erinnerungen seiner Schüler hatte die Achthaler Schule aufgrund seines Wirkens damals auch überregional einen hervorragenden Ruf.
Nach der Schule sollte natürlich den Eltern bei der Arbeit geholfen werden; doch viel spannender war es, den ein oder anderen Stollen zu erkunden, sofern man es sich denn traute und der Reiz spannender Untertage-Touren die Furcht vor Bestrafung durch die Eltern überwog.
In diesem Zusammenhang wurde die Erfahrungen dreier Buben genannt, die die Anwesenden auf dem Klassenfoto erkannt hatten. Kurz vor Kriegsende sind die drei tief in den Maximilian-II-Erbstollen eingefahren, als dort SS-Männer ominöse Kisten eingelagert haben. Inwieweit Zusammenhänge mit den berichteten Gewehrfunden im Treibgut des Hochwassers von 1945 beim Sägewerk bestehen, ist ungeklärt.
Jedenfalls konnten die Buben noch die präzise ausgeführte Mauerung des schnurgeraden Maximilian-Erbstollens (Bau von 1844 bis 1855) bewundern. Heute ist das leider nicht mehr möglich, denn fast der gesamte Stollen bis zum Stollenmundloch wurde mit Spritzbeton ausgekleistert. Die Anwesenden bezweifelten, dass dies wegen einiger weniger stärker geschädigten Stellen in dieser Intensität notwendig gewesen war. Sollte hier auch Geschichte zugedeckt werden?
Die gut zweieinhalb Stunden waren prall gefüllt mit Geschichten und Erzählungen aus einer Zeit, die es so nicht mehr gibt; viele Erinnerungen gingen von den mitgebrachten Bildern aus. Zum Schluss konnte jeder Besucher eine Fotokopie der Achthaler Hüttenleute von 1910 mitnehmen, so wie sie ganz groß im Achthaler Bergbaumuseum zu sehen ist. Vielleicht gelingt es ja dem einen oder anderen noch jemanden aus der Urgroßväter-Generation zu identifizieren. Es würde sich auf alle Fälle lohnen, alte Bilder und Alben aufzubewahren und mit den Großeltern und Eltern über dort abgebildete Orte und Personen zu sprechen, solange das noch möglich ist, sagte Detlef Schödel-Krey zum Abschluss. Bewahren von Geschichte fängt in der Familie an und kann in einem lebendigen Museum strukturiert und aufbereitet werden.
Der WKT will die Reihe seiner „Erzählcafés“ fortsetzen. Datum, Themen und Orte werden rechtzeitig bekanntgegeben.
(Pressebericht von Dr. Monika Konnert)



