Erzählcafé im Bergbaumuseum Achthal

 

Das jüngste Erzählcafé des Wirtschaftskreises Teisendorf (WKT)
fand vor Kurzem im Vortragssaal des Bergbaumuseums Eisenreich im Achthal statt.

Dort hatten sich am frühen Nachmittag rund zwanzig Besucher, viele gebürtige Achthaler und Neukirchner eingefunden, die von der WKT-Vorsitzenden Heidi Schuhbeck begrüßt wurden. Unter den Teilnehmern waren auch solche, die lange Jahre im heutigen Museumsgebäude, dem ehemaligen Verweserhaus, gewohnt haben. In den Nachkriegsjahren haben dort zweitweise bis zu zehn Partien gewohnt, wusste Rupert Zehetmeier, der 48 Jahre mit seiner Familie dort zuhause war. Komfortabel war das nicht, man heizte mit Holz, dass man bis in den 1. oder 2. Stock schleppen musste, hatte eine Toilette für alle Parteien auf einem Stockwerk, Bad war keines. Die Decke hat zeitweise einen Meter durchgehängt, gedacht hat man sich nicht viel dabei, erzählte einer der Mieter. Viele Menschen haben beim Eigentümer, Josef Baumann in der Gießerei oder im Sägewerk gearbeitet. Dort wo jetzt der Museumseingang ist, war ein Lebensmittelgeschäft, das die Oma eines weiteren Teilnehmers kurz nach dem Krieg betrieben hat. Über dem Geschäft war die Wohnung der Familie. Die Milch wurde aus Holzhausen von der Molkerei Seidl mit dem Milliwagen gebracht und umgeleert. Dann kamen die Leute mit der Millibitschn um Milch zu kaufen. Das war meist Aufgabe der Kinder.

Auch an das Hochwasser von 1945 erinnerte man sich, weil manche Teilnehmer, damals noch Kinder, es miterlebt haben. Das Holz aus den Holzhütten der Mietparteien hinter dem Wohnhaus wurde alles weggeschwemmt, erzählte man, im Erdgeschoß und teilweise sogar im 1. Stock war das Wasser fast bis zur Decke. Man hat versucht, die Leute mit einem Sautrog wegzuschaffen: Nachdem dieser bereits bei einer „Leer-Probefahrt“ gekentert ist, hat man es aufgegeben.

Viel Raum in den Erzählungen nahm die Schulzeit im Achthal ein. Zuerst wurden alle acht Klassen in einem Raum unterrichtet. Danach gab es zwei Räume mit jeweils vier Klassen. Man erinnerte sich noch an die Namen der Lehrerinnen und Lehrer, an die langen, aber kurzweiligen Schulwege, beispielsweise bis nach Gut Sprung in den schneereichen Wintern. „Manchmal haben wir auch drei Stunden gebraucht“ meinte eine Teilnehmerin, was aber niemanden störte. Auch die Schulspeisung am Ende des zweiten Weltkrieges wurde angesprochen.

Rupert Zehetmeier erinnerte sich auch an den Tag, „als der Ami gekommen ist“, am Kriegsende. Die Kettenfahrzeuge der amerikanischen Armee waren beeindruckend, aber noch mehr die Tatsache, dass alle amerikanischen Soldaten Schwarze waren. Sowas hatten die Einwohner von Neukirchen und Achthal noch nie gesehen.

Fast alle Teilnehmer haben sich an den regen Gesprächen beteiligt, so dass das Ziel des Erzählcafés, in entspannter Atmosphäre Erinnerungen wach werden zu lassen, voll erreicht wurde. Kaffee und Kuchen, gespendet von Detlef Schödel-Krey, der auch die Moderation übernommen hatte, wurden lobend und dankend angenommen.  Nachdem der Nachmittag viel zu schnell verging, ist ein neuer Termin für ein Erzählcafé am 25.September ebenfalls im Bergbaumuseum anvisiert. Bereits sind jetzt schon alle Interessierten zu diesem „Museums-Erzähl-Café“ eingeladen.

(Pressebericht von Dr. Monika Konnert)