Bergbaumuseum Achthal

Erzbergbau und Verhüttung am Teisenberg 1537 - 1925

China kommt! Und wie! - 09.01.2020


Im Rahmen der Bildungswerkstatt konnte wieder ein hochinteressanter Vortrag angeboten werden zum Thema: "China kommt! Und wie"

Donnerstag, 09. Januar 2020, 19 Uhr
Vortragssaal Bergbaumuseum Achthal

Wir freuten uns ganz besonders, dass so zahlreiche Besucher zu diesem hochinteressanten Vortrag gekommen waren. Dazu konnte unser Vorstand Roland Klosa, Herrn Dr. Bernd Seuling, Stv. OStD FOS, begrüßen, der ein exzellenter China-Kenner ist und selber jahrelang in der Volksrepublik gelebt hat.

„China kommt! Und wie!“ - diese Wahrnehmung stellte Dr. Bernd Seuling , StD und stv. Schulleiter der FOS Traunstein, bei seinem Vortrag im Bergbaumuseum anhand diverser Entwicklungen in einen für viele, so deutlich bislang nicht wahrgenommenen Zusammenhang. Seit 25 Jahren lebt Dr. Seuling abwechselnd in China und Deutschland; anfangs im Auftrag der Hanns-Seidel-Stiftung, arbeitet er aktuell im Auftrag der Bundesregierung im Bereich Bildung.

Nach der Gründung der Volkrepublik China in 1949 und der Machtübernahme durch Mao Zendong 1950 zählte China zu den ärmsten Ländern der Welt, 90% der Bevölkerung lebte auf dem Land. Der „Große Sprung nach vorn“ (1958) mißlang und führte zu einer Hungersnot mit ca. 45 Mio. Toten.

1978 begann Deng Xiaoping mit der Umsetzung des „Vier Modernisierungen“-Reformprogrammes, welches auf Zhou Enlai (1963) zurückzuführen ist.

Von 1960 bis 2017 erhöhte sich die Bevölkerungszahl in China in Folge dieser Umwälzungen um 760 Mio. (114%) zu nunmehr ca. 1,2 Mrd.,; diese Entwicklung soll mit 1,44 Mrd. in 2029 ihren Höhepunkt erreichen.

„Made in China 2025“ ist eine vom Staatsrat beschlossene Initiative zur umfassenden Aufwertung der chinesischen Industrie. Sie soll den technologischen Rückstand des Landes zu den weltweit führenden Industrienationen aufholen lassen, seine Industrie unabhängig von ausländischen Partnern und Produkten global konkurrenzfähig machen (bis 2035) und es am oberen Ende der globalen Wertschöpfungskette positionieren (bis 2049). Dazu wurden 10 Wirtschaftssektoren identifiziert, u.a. IT, Robotik, Raumfahrt, Neue Materialien, Bahntechnik, Spezialschiffbau und u.a.m.

Der Weg dahin führt über die sogenannten „Fünf Initiativen“, nämlich 15 neuen Forschungs- und Entwicklungszentren, Entwicklung innovativer industrieller High-End Projekte in Schlüsselindustrien, Fokus auf Green Manufacturing/umweltfreundliche Produktion, Smart Manufacturing und die Verstärkung der industriellen Grundlage in vier neu errichteten Forschungszentren.

Anhang von Graphiken aus verschiedensten Quellen zeigte der Referent, daß Chinas Griff nach der Technologie­führerschaft in wichtigen Schlüsselbranchen und die weiter voranschreitende Integration in die globalen Wertschöpfungsketten kein vorübergehendes Phänomen sei, das sich wie auch immer aussitzen ließe. Die Debatte um eine angemessene strategische Antwort der EU oder der USA bleibe hingegen im vollen Gange. Nachdem China als »Nehmerland« von Direktinvestitionen seinen ökonomischen Aufstieg gestaltet hat, stehe das Reich der Mitte nun als »Geberland« in der Kritik: Die Darstellung der Direktinvestitionen Chinas in der EU bei den verschiedensten Industriesektoren machte dies verständlich. Deutschland als größte Volkswirtschaft in Europa ist dabei eines der Hauptzielländer für Investitionen in Neugründungen. Ein jüngerer Trend seien die steigenden Investitionsausgaben chinesischer Firmen für Forschung und Entwicklung bei uns, so z. B. Huawei in München, chinesische Großbank mit Gründungen von Tochtergesellschaften in Frankfurt/Main. Chinesische Direktinvestitionen könnten positive Auswirkungen auf das Know-how und die Innovationsfähigkeit der Zielländer haben (Errichtung Forschungscluster, Spill-over-Effekte, Erfahrungen in der Umsetzung von großen Infrastrukturprojekten …) – es gelte, die Chancen für uns nicht zuletzt als Innovationsmotor zu erkennen!

Lag das jährliche Investitionsvolumen chinesischer Unternehmen in den Mitgliedstaaten der EU Mitte der 2000er Jahre noch nahe null, erreichte es 2014 14 Milliarden Euro.

Um die Chancen und Vorteile für Deutschland & EU zu maximieren, wären folgende Handlungs-prioritäten in den Focus politischen Handelns zu rücken: Umsetzung dringend erforderlicher Strukturreformen in EU. Da China zu einer der prominentesten Kapitalquellen wird, müssten bisherige Ansätze für die Investitionsförderung und die Unterstützung von Investoren überdacht werden, u. a. durch den Ausbau der vor Ort in China vorhandenen Kapazitäten. Politische Entscheider sollten darauf vorbereitet sein, den Grundsatz der Investitionsfreiheit gegen populistische Widerstände zu verteidigen.

In der sich anschließenden lebhaften Diskussion zeigten sich die Pro & Contras in der Betrachtung der unterschiedlichen Regierungsformen, Bildungs- und Sozialsysteme, Industriekulturen bis hin zur Wohlstandssättigung: Dort der unbedingte breite Wille der Menschen zum persönlichen Erfolg und Aufstieg, hier z. B. die steigende Tendenz zur Erfüllung eigener Life-Balance im Wohlstandsumfeld. Welche wird unsere Antwort in diesem globalen Wettbewerb sein?

Wir danken dem Referenten Dr. Bernd Seuling sehr herzlich für den erkenntnisreichen Vortrag und freuen uns auf ein mögliches Wiedersehen, evtl. über das abendfüllende Thema der "neuen Seidenstraße".

i. A. der Vorstandschaft

Roland Klosa


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