Bergbaumuseum Achthal

Erzbergbau und Verhüttung am Teisenberg 1537 - 1925

Leben bis zuletzt - palliativ beginnt nicht erst kurz vor dem Tod - 18.01.2020


Im Rahmen der Bildungswerkstatt konnte wieder ein hochinteressanter Vortrag angeboten werden zum Thema: "Leben bis zuletzt - palliativ beginnt nicht erst kurz vor dem Tod".

Samstag, 18. Januar 2020, 19 Uhr
Vortragssaal Bergbaumuseum Achthal

„Und am Ende möchte ich einen tiefen Zug an meiner Zigarette genießen!“ Ja, darum geht es: Linderung statt Heilung, da wo Heilung - offensichtlich - aussichtslos erscheint. Im Vordergrund von Palliativ Care (PC) stehe die Linderung des Patienten. Was kann gelindert werden? Schmerz, Atemnot, Übelkeit, Einsamkeit, Angst, ….. Wer können die Beteiligten sein? Angehörige, Arzt, Seelsorger, Ehrenamtliche usw.

Palliativmedizinerin Dr. Petra Mair, Salzburg klärte eingangs Begrifflichkeiten: Von Pallium, lat. für Mantel und Care, engl. für (Um)Sorge zeichnete sie das Bild des abgeschirmten, umsorgten Patienten.

Es bedeutet keineswegs, dass nichts mehr getan werde (verbieten Sie sich das Un-Wort „aus-therapiert“!), es würden weiterhin Medikamente, Infusionen, Blutkonserven etc. verabreicht, wenn diese zur Symptomkontrolle und Linderung der Leiden des Patienten beitragen. Aber selbstverständlich könne Umsorgen auch heißen, etwas zu unterlassen. Der Spannungsbereich zwischen Intensiv- und Palliativmedizin wurde hier an Beispielen sehr deutlich aufgezeigt.

Oft entziehe sich der Patient Gutgemeintem: Akzeptieren und sich selbst zurücknehmen, empfahl Dr. Mair aus langjähriger Praxis heraus. Themen wie Trauer, Tod und Sterben sollten zugelassen werden. Ehrliche, offene und wertschätzende KOMMUNIKATION mit Betroffenen, Angehörigen und Klinikpersonal seien dabei die unabdingbare Grundlage. Und das wäre für Angehörige meist sehr schwer (zu ertragen), denn in dieser (oft unverhofften) Lage fühle man sich hilflos - wie verhalte man sich richtig?

Und um einer irrigen Meinung vorzubeugen: Palliativ Care habe erst mal nichts mit Sterben zu tun! Es gehe darum, dem Patienten Gleichberechtigung, Lebensqualität und nicht zuletzt Demut zu gewähren. Und, wer möge dem widersprechen, dies beträfe keineswegs nur „alte“ Menschen.

PC beschränke sich also nicht auf die letzten Lebenstage, manchmal erstreckt sich diese

Art der Betreuung auf Wochen und Monate. PC sei auch nicht Sterbebegleitung, sondern Lebensbegleitung, denn gelebt wird bis zuletzt.

Frau Dr. Mair gab kompetent und auf einfühlsame Art wertvolle Hinweise, konnte Aufklärung leisten, insbesondere bei der Abgrenzung zum Thema Hospiz (Palliative Care versteht sich immer mit medizinischer Betreuung).

Der Mensch stirbt von Geburt an – memento mori, bedenke, Du must Sterben!, dessen waren sich schon die alten Lateiner bewußt. Also, wann startet dann „Palliativ“? Sie ermutigte auf charmante Weise die Teilnehmer, sich diesem Thema „rechtzeitig“ zu widmen.

Wir danken der Referentin Dr. Petra Mair sehr herzlich für den erkenntnisreichen Vortrag und freuen uns auf ein mögliches Wiedersehen.

i. A. der Vorstandschaft

Roland Klosa


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