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PRESSEBERICHTe JANUAR 2022

 

Traunsteiner Tagblatt, 24.01.2022 (Bericht: Monika Konnert)

Kuratorin Ulrike Laufer (c) M. Konnert

"Es geht voran im Bergbaumuseum Achthal"

Teisendorf – Der Countdown zur Neugestaltung des Bergbaumuseums in Achthal läuft. Mit dem Abbau der alten Ausstellung hat der Förderverein, der die Einrichtung trägt, einen weiteren Schritt unternommen.

So einfach und schnell wie bei einer Wohnungsleerung geht es beim Ausräumen eines Museums nicht. Jedes der rund 700 Exponate musste vorab von Kuratorin Ulrike Laufer und Museumspädagogin Maria Erker begutachtet werden. Exponate, die in die neue Dauerausstellung übernommen werden – und das ist der Großteil –, wurden mit einem Aufkleber versehen, auf dem neben der Exponatsnummer der Raum vermerkt ist, wo sie ihren zukünftigen Platz finden werden. Bis dahin werden sie vorsichtig verpackt und zwischengelagert. Exponate, die nicht mehr ausgestellt werden, kommen zur Aufbewahrung ins Museumsdepot. Bei manchen Stücken handelt es sich nur um Kopien wertvoller Originale.

In einigen Fällen ist es der Kuratorin gelungen, hochwertige Originale als Dauerausleihen für das Museum zu bekommen, sodass man auf die Kopien verzichten kann. So zum Beispiel wird eine Privatbank aus Salzburg dem Museum ein Ölgemälde als Dauerleihe zur Verfügung stellen, das den letzten Gewerkschaftsdirektor Otto Spängler zeigt. Auch Museumsmitarbeiterin Anna Windischbauer wirft noch einen Blick auf die einzelnen Stücke. Sie ist für den Auftritt des Museums im Internet und in den sozialen Medien wie Instagram und Facebook zuständig. Dafür macht sie von einzelnen Exponaten Fotos, zu denen sie kleine Geschichten erzählt. Beides stellt sie fortlaufend ins Netz und hofft, viele Follower zu finden, die die Beiträge lesen und mitdiskutieren.

Soeben begutachtet Windischbauer mit Kuratorin Laufer ein Luftgewehr, in dessen Schaft das Logo der Eisengewerkschaft kunstvoll geschnitzt ist. Es wurde bei verschiedenen Gelegenheiten zum Scheibenschießen verwendet. Auch zwei historische Schießscheiben lehnen an einer Wand.

Nicht selten treten auch Überraschungen zutage. Beim Entnehmen eines ausgestellten Briefs aus dem Rahmen entdeckt Kuratorin Laufer auf der Rückseite ein perfekt erhaltenes Siegel der Eisengewerkschaft mit Insignien, die das Museum in sein neues Logo übernommen hat. Den Brief hat ein Direktor Heffter 1822 an den Direktor der Saline Traunstein geschrieben.

Das Verpacken der einzelnen Objekte haben Peter, Rubie und Foteni übernommen. Die drei Jugendlichen studieren an der Uni Salzburg Geschichte und belegen im Rahmen dieses Studiums bei Dr. Maria Erker einen Kurs in Museumsdidaktik und Museologie. Die Mitarbeit im Bergbaumuseum Achthal gilt für sie als Praktikum. »Für die Studenten ist das eine gute Chance, sich auch praktisch mit den Gegebenheiten eines Museums auseinanderzusetzen«, so Maria Erker. »In diesem Semester gab es wegen Corona viel Lehre auf Distanz. Da ist die Tätigkeit hier in Achthal ein kleiner Ersatz für die vielen praktischen Stunden, die wir sonst in Museen verbringen.« Es sei eine Win-Win-Situation für beide Seiten, freut sich Roland Klosa, der Vorstand des Fördervereins Bergbaumuseum Achthal, der die Arbeiten koordiniert. Handgezeichnete Landkarten und Risse wurden durch einen Profifotografen digitalisiert, damit sie in der neuen Ausstellung auch interaktiv verwendet werden können.

Wenn alle Exponate verpackt und versorgt sind, kommt ein Handwerkertrupp, um Regale, Vitrinen und Stellwände abzubauen. Für die schweren Ausstellungsstücke wie Eisenkreuze, Öfen und Erzbrocken wurde eine Umzugsfirma verpflichtet, die sie professionell auslagert.

Nach der Leerung der Räume kann mit den notwendigen Reparaturen begonnen werden. Kleine bauliche Maßnahmen wie das Öffnen oder Verlegen einiger Wände sind notwendig, um die Raumform an das Ausstellungskonzept anzupassen. Elektrokabel müssen zu den einzelnen Stationen verlegt werden. Die Fußböden müssen überholt, die Wände getüncht werden. Es gibt noch einiges zu tun, bis mit dem Aufbau der neuen Ausstellung begonnen werden kann. Aber es geht voran im Bergbaumuseum Achthal.

Copyright (c) M. Konnert


Reichenhaller Tagblatt, 21.01.2022 (Bericht: Monika Konnert)

Kuratorin Ulrike Laufer zeigt dem Vorstand des Fördervereins Bergbaumuseum Achthal Roland Klosa die Eintragungen in der Chronik. (c) Monika Konnert

"König Wilhelm I. beim Bergbau"

Ein König und ein Prinz als Miteigentümer der Eisengewerkschaft Achthal und Hammerau.

Es klingt wie ein Märchen: Ein König und ein Prinz waren Miteigentümer der Eisengewerkschaft Achthal und Hammerau. Die Rede ist von König Wilhelm I. der Niederlande (1773-1843) und seinem zweiten Sohn Prinz Friedrich (1797-1881). Die Geschichte dazu hat Kuratorin Ulrike Laufer während ihrer aktuellen Recherchen anlässlich der Neugestaltung des Bergbaumuseums Achthal ausgegraben und dokumentiert. Im Gespräch mit der Heimatzeitung erklärte sie die Zusammenhänge. "Von Prinz Friedrich ist eine Schenkung über 110 Gulden an die Arbeiter des Werks am 1. März 1845 überliefert", so Laufer. "Ob er zu dieser Zeit – einen Tag nach seinem 48. Geburtstag – persönlich vor Ort war, ist nicht festgehalten. Möglich ist es, durchaus, denn die gesundheitlichen Probleme seiner Frau, Prinzessin Luise von Preußen, hatten das Paar immer wieder ins österreichische Bad Ischl geführt. Insofern war der Rupertiwinkel dem Prinzen sicherlich nicht ganz unbekannt."

1802 Kloster als Entschädigung zugesprochen
Aber erstmal zurück zum König. An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert hat Napoleon durch seine Kriege die europäischen Grenzen und Herrschaftsbereiche gewaltig aufgewirbelt. Nach seiner Niederlage wurden auf dem Wiener Kongress 1815 die Grenzen Europas neu geordnet. Diese Entwicklungen haben indirekt auch die 1537 gegründete altehrwürdige Eisengewerkschaft Achthal und Hammerau berührt. Die Niederlande wurden nämlich 1815 nach Beschluss des Kongresses zu einem Königreich, WilhelmI. aus dem Hause Oranien bestieg den Thron. Sein Vater Wilhelm V. von Oranien, war als Erbstatthalter der Niederlande 1795 von Napoleon vertrieben worden, lebte danach am preußischen Hof und erhielt unter anderem 1802 als Entschädigung das ehemalige Reichsstift und Benediktinerkloster Weingarten im Südwesten des Deutschen Reiches zugesprochen.

Damit wurde er zum zweitgrößten Teilhaber an der "hochadeligen Eisengewerkschaft" nach dem fürsterzbischöflichen Priesterhaus in Salzburg. Denn das Benediktinerkloster Weingarten, das in enger Beziehung zum Erzstift St. Peter in Salzburg stand, gehörte seit 1654 zu den größten Anteilseignern an der Achthaler Eisengewerkschaft. Bei seinem Tod 1806 gingen die Anteile von Wilhelm V. an seinen Sohn, den späteren König Wilhelm I. der Niederlande über.

Detaillierter Bericht des Königs wertvoll

Für die Kuratorin wertvoll ist unter anderem ein detaillierter Bericht, den Wilhelm V. 1803 zu seinem neuen Besitz anforderte. Daraus habe man erfahren können, so Laufer, dass das Bergwerk aus 1172 Lachter (circa zwei Kilometer) fortlaufenden Gängen untertage, zwei Schmelzwerken (eines in Röhrenbach und eines im Achthal) sowie drei großen und mehreren kleinen Hämmern in Hammerau (heute Annahütte) bestand. Als Ausbeute, heute würde man Dividende sagen, standen dem Anteiler viermal im Jahr etwa 330 Gulden zu. "Ein Gulden war mindestens 15 mal so viel wert wie ein Euro, eine exakte Umrechnung ist aber kaum möglich", so die Kuratorin. Wilhelm V. und sein Sohn König Wilhelm I. hielten trotz wirtschaftlich nicht so rosiger Zeiten für die Gewerkschaft und mehrerer Kaufangebote durch die Salzburger an ihren Anteilen erstmal fest. Als sich aber die schlechten Nachrichten ab 1816 nach der neuen Grenzziehung zwischen Salzburg und Bayern häuften und ein vom König gefordertes Gutachten zur Qualität des Stahls aus Hammerau zeigte, dass das Achthaler Roheisen zur Stahlfabrikation in Masse wenig geeignet war, gab der König der Niederlande mehrmals die Anweisung, seine Anteile an der Eisengewerkschaft zu verkaufen. Was aber bis zu seiner Abdankung 1840 und seinem Tod 1843 nicht mehr gelang. Durch Erbschaft gingen sie an Prinz Friedrich, den zweiten Sohn des Königs über.

Zuvorkommender Prinz mit finanziellen Mitteln

Der Prinz wurde als intelligent und zuvorkommend beschrieben und sei einer der führenden Freimaurer im deutschsprachigen Raum gewesen, weiß die Kuratorin zu berichten. Damit lagen bedeutende Anteile an der hochadeligen Eisengewerkschaft Achthal und Hammerau nun in den Händen eines Prinzen, der ausgestattet mit erheblichen finanziellen Mitteln nach neuen Aufgaben suchte. 1846, ein Jahr nach seinem möglichen Besuch im Achthal, kaufte Prinz Friedrich die Standesherrschaft Muskau in der Oberlausitz. Hier entwickelte er sich zu einem großzügigen, engagierten Landesherrn, förderte die Schulbildung, stiftete ein Krankenhaus und ließ den legendären Fürst-Pückler-Park, heute Unesco-Weltkulturerbe, wieder instand setzen und landschaftskünstlerisch verschönern. In den 1860ern Jahren ließ er das zugehörige Schloss Muskau im Stil der Neorenaissance umbauen.

1858/59 Anteile an Teisendorfer verkauft

All dies kostete viel Geld. Deshalb verkaufte er 1858/59 seine Anteile oder wie man damals bereits sagte Aktien an der Achthaler Eisengewerkschaft, an den Teisendorfer Brauereibesitzer Max Christian Wieninger. Der innovationsfreudige und weltgewandte Brauer – er saß zweimal im Bayerischen Landtag und war mit einer Tochter aus der Münchner Spatenbrauerei verheiratet – hatte bereits im Vorfeld kleinere Anteile an der Gewerkschaft erworben und war über die Situation des zu dieser Zeit in wirtschaftlicher Blüte stehenden Werks bestens informiert.

Durch Max Christian Wieninger zählte die Teisendorfer Braumeisterfamilie fortan neben der Bankiersfamilie Spängler in Salzburg zu den wichtigsten Privateigentümern an der Eisengewerkschaft, die im Übrigen noch viele katholische und karitative Stiftungen zu den Miteigentümern zählte. Doch dazu und auch zu den Spänglers ließen sich wieder eigene Geschichten erzählen, so Kuratorin Laufer. Einige davon hat sie für die neue Dauerausstellung aufbereitet. Man darf gespannt sein.

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