Fachvortag: Martin Thaler, Pysiker, über die Belastung durch Radon in häuslicher Umgebung

 

An diesem Abend konnte Vorstand Roland Klosa den Physiker und Elektroingenieur Martin Thaler aus Oberteisendorf im Vortragssaal des Bergbaumuseums herzlich begrüßen.

Nach einer kurzen Vorstellung über den beruflichen Werdegang von Martin Thaler, insbesondere über die Qualifikationen im Rahmen der Strahlen- und Atom-Physik ergriff der Referent selber das Wort und informierte die gut 40 Teilnehmer über die Schwerpunkte seines Vortrages. Der Referent hat in München Elektrotechnik studiert, eine Strahlenschutzausbildung an der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung in Neuherberg absolviert und war zwanzig Jahre lang im radiometrischen Messlabor des BRK in Traunstein/Traunreut tätig, davon viele Jahre als Strahlenschutzbeauftragter und Laborleiter. 

Seine Themenschwerpunkte:

  • Warum gerade jetzt eine Radonmessungen sinnvoll und notwendig sind?
  • Unsere Untergrundbeschaffenheit
  • Was ist Radioaktivität?
  • Biologische Auswirkungen
  • Wie kommt Radon in unsere Häuser?
  • Welche Abhilfemaßnahmen sind effektiv?
  • Strahlenbelastung durch Erde/Kosmos/Medizin
  • Messtechnik

Radon ist ein radioaktives Gas, das man weder sehen, riechen noch schmecken kann. Und dennoch zählt Radon zu den größten Gesundheitsrisiken in Wohnräumen und gilt nach dem Rauchen als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Während sich Radon im Freien schnell mit der Umgebungsluft vermischt, kann es sich in Innenräumen anreichern. Besonders in geologisch belasteten Regionen wie Teilen Bayerns, Sachsens oder Thüringens kann die Konzentration in Häusern deutlich erhöht sein.

In seinem Vortrag ging Thaler kurz auf die Grundlagen und biologischen Auswirkungen der Radioaktivität ein, bevor er dann zu den für die Zuhörer besonders interessierenden Fragen: „Wie kommt Radon in unsere Häuser?“ und „Welche Abhilfemaßnahmen sind effektiv?“ zu sprechen kam. Auch die Möglichkeiten zur Messung der Radonkonzentration wurden erörtert. 

Radon entsteht beim natürlichen Zerfall von Uran im Erdreich. Über feine Risse in Fundamenten, Kellerwänden oder Leitungsdurchführungen dringt es aus dem Boden in Gebäude ein, sagte Thaler. Dort kann sich Radon vor allem in schlecht belüfteten Räumen ansammeln. Die Belastung wird in Becquerel pro Kubikmeter Luft gemessen. Experten empfehlen, dauerhaft Werte von 300 Becquerel/m³ nicht zu überschreiten. In manchen Altbauten liegen die Messwerte jedoch deutlich darüber.

Die Intensität der Belastung hängt stark von der regionalen Geologie ab. Granit- und Gesteinsformationen enthalten häufig höhere Mengen an Uran und setzen entsprechend mehr Radon frei. So hat beispielsweise die Auffaltung der Alpen tiefere, uranhaltige  Bodenschichten nach oben gebracht, weshalb auch in unseren Regionen höhere Urangehalte zu finden sind. Natürliche Prozesse wie Luftdruckunterschiede oder Gezeiten  spielen auch eine Rolle.  Auch die Bauweise, Dämmung und das Lüftungsverhalten können für Radongehalte entscheidend sein. Moderne, stark abgedichtete Gebäude können das Eindringen zwar verringern, gleichzeitig aber den Luftaustausch erschweren.

Die gesundheitliche Gefahr entsteht durch radioaktive Zerfallsprodukte des Radons. Gelangen diese beim Atmen in die Lunge, können sie das Gewebe schädigen, erklärte der Referent. Das Risiko steigt mit der Dauer der Belastung und besonders in Kombination mit dem Rauchen. Da Radon weder sichtbar noch riechbar ist, bemerken Betroffene die Belastung oft erst nach einer Messung.

Prävention beginnt deshalb mit der Kontrolle der Raumluft. Spezielle Messgeräte oder Langzeitdosimeter liefern zuverlässige Werte. Zeigen sich erhöhte Konzentrationen, helfen oft bereits regelmäßiges Stoßlüften und eine bessere Belüftung der Kellerräume. Bei stärkeren Belastungen kommen bauliche Maßnahmen infrage: das Abdichten von Fundamenten, spezielle Lüftungssysteme oder Radon-Sperren im Untergrund. Auch beim Neubau gewinnt das Thema an Bedeutung. In ausgewiesenen Radonvorsorgegebieten gelten inzwischen strengere bauliche Anforderungen. Radondrainagen oder das Abdichten der Bodenplatte schützen in Neubauten vor erhöhter Radonkonzentration und sollten vor allem in Regionen mit erhöhtem Radon-Potential zum Einsatz kommen. Fachleute empfehlen, bereits in der Planungsphase Schutzmaßnahmen einzuarbeiten. 

Mit einem Radonmessgerät kann anhand der ermittelten Messwerte festgestellt werden, ob die Bedenklichkeitsschwelle in den eigenen vier Wänden überschritten wird. Es gibt Radon-Messgeräte zur Langzeitmessung, um zu sehen, wie hoch die Radon-Konzentration in einem Raum über einen längeren Zeitraum im Durchschnitt ist. Mit anderen Geräten, wie dem Radon-eye, kann der Radon-Wert schon nach einer kurzen Zeit (z.B. halbe Stunde) erfasst werden. Zu den Messgeräten entwickelte sich eine intensive Diskussion, die zeigte, dass auf dem Markt relativ preisgünstige Geräte verfügbar sind, dass aber vor einer Messung fachkundiger Rat empfohlen wird. Auf die Frage einer Zuhörerin an den Referenten, ob bei ihm Fragen zum Thema Radon häufiger herangetragen werden, musste dieser leider eingestehen, dass dies kaum der Fall ist.  Radon bleibt eine stille Gefahr, die viele Menschen unterschätzen. Doch mit moderner Messtechnik, gezielter Prävention und besserer Aufklärung lässt sich das Risiko erheblich reduzieren, sagte Thaler, und damit auch eine oft übersehene Gesundheitsbedrohung im eigenen Zuhause.

Der 1. Vorstand des Fördervereins Roland Klosa bedankte sich bei Martin Thaler für diesen interessanten Vortrag. Nach Ende des offiziellen Teils suchte noch so mancher Gast den Kontakt zu dem Fachmann. Die Sensibilisierung für dieses wichtige Thema war gelungen.

Der Vortrag war insgesamt sehr anschaulich und in jedem Fall zur Bewusstseinsbildung über diese unsichtbare Gefahr Radon sehr hilfreich.

(Presserefertin: Monika Konnert)