Schüler ins Museum

Lehrerfortbildung zu Führungen von Schulklassen im Bergbaumuseum Achthal
Teisendorf/Achthal/Landkreis Berchtesgadener Land: Das Bergbaumuseum „Eisenreich“ Achthal will mit seiner neuen Dauerausstellung nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche beziehungsweise Schulklassen ansprechen und zu einem Museumsbesuch einladen. Dort werden sie im Sinne einer zielgruppenorientierten Führung von einer Identifikationsfigur, dem Grubenmurmel, durch die Ausstellung geführt. Dazu gibt es auch ein kleines Bergbauheftchen, das in die Führung miteinbezogen oder zur Nachbereitung genutzt werden kann.
Das derzeitige Konzept hat vor allem den Besuch von Kindern oder Kindergruppen in Begleitung Erwachsener im Blick. Für den Besuch von Schulklassen muss die museumspädagogische Konzeption so angepasst werden, dass sie im Sinne der didaktischen Reduktion die Fixierung auf bestimmte Inhalte ermöglicht, die einen Bezug zu den Lehrplaninhalten haben. Dazu haben die Rektorin der Grundschule Neukirchen Sabine Glück-Beer zusammen mit Oberstudienrat Dr. Thomas Döring, Fachbetreuer Geschichte am Rottmayr-Gymnasium Laufen und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Museums zu einer Lehrerfortbildung ins Bergbaumuseum Achthal eingeladen. Der Einladung waren circa zwanzig Lehrerinnen und Lehrer der Grund- und Mittelschulen und zwei Gymnasial-Lehrkräfte aus dem Landkreis Berchtesgadener Land gefolgt. Gekommen war auch der Fachliche Leiter und Schulamtsdirektor des Staatlichen Schulamtes im Berchtesgadener Land Helmut Mayer, der diese Fortbildung sehr positiv bewertete.
Begrüßt wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Roland Klosa, Vorstand des Fördervereins Bergbaumuseum Achthal, dem Betreiber des Museums, und der Museumskuratorin Dr. Ulrike Laufer, die extra aus München angereist war. Mit dabei waren auch Rosi und Hans Fürmann, die die Museumsführungen für Kinder im Bergbaumuseum Achthal derzeit machen und dazu zusammen mit Rektorin Glück-Beer ein Konzept für Kinderführungen in Gruppen ausgearbeitet haben. Als „Probedurchlauf“ hat sie einen Tag vor der Fortbildung einen Museumsbesuch mit ihrer 4. Klasse aus Neukirchen unternommen und besichtigte anschließend mit den Schulkindern die ehemaligen, jetzt denkmalgeschützten Industriegebäude auf der anderen Seite der Ache. Diese ergänzende Exkursion fand im Rahmen der alljährlich an der Glückspilzschule Neukirchen stattfindenden Architekturprojekte in Kooperation mit der Architektin Elisabeth Hinterreiter statt. Alle daraus gewonnen Erfahrungen waren positiv und sind in die Fortbildung eingeflossen.
Den Anfang der Lehrerfortbildung machte eine anderthalbstündige Führung durchs Museum, bei der die Kuratorin mit großem Wissen und viel Herzblut die Gründungsgeschichte und Weiterentwicklung der Erzverarbeitung im Achthal in den Kontext der geschichtlichen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert setzte. Nicht vergessen wurden auch die Menschen, die hier gearbeitet haben, wie beispielsweise, die Knappen, „besondere, stolze, tiefgläubige Menschen“, so Laufer, „die eigentlich arme Teufel waren“. Wiederholt wies Laufer auf Exponate hin, die für Kinder besonders interessant und lehrreich sein könnten und auf die man bei einer Führung mit Schulklassen näher eingehen sollte.
Im Anschluss an die Führung stellten Sabine Glück-Beer und Dr. Thomas Döring die von ihnen erarbeitete Konzeption für Führungen von Schulklassen durchs Bergbaumuseum Achthal vor. Die Neukirchner Rektorin ging dabei detailliert auf den Bezug zu Lernbereichen aus dem Bayerischen Lehrplan Plus für Grundschulen ein. Sie betonte, dass Kinderführungen immer eine Kombination aus Wissensvermittlung und eigenständigem Tun (z.B. kleinen Forschungsaufträgen) sein sollten. Eine Aktivierung von Vorwissen durch persönliche Erzählungen der Kinder über Bekannte oder Verwandte, die im Bergbau gearbeitet haben, Sagen, die im Schulunterricht durchgenommen worden oder Bilder zu Gegenständen, die sich ähnlich auch im Museum finden, wurde angeraten. Wichtig sei auch eine klare Zieldefinition und ein klarer Regelrahmen zum Besuch, der mit den Kindern gemeinsam festgelegt werden sollte. Als Zeitrahmen für eine Führung wurden circa siebzig Minuten genannt. Nach einer Pause besteht in der naheliegenden Museumswerkstatt die Möglichkeit zur Nachbereitung der Führung und zu einer Brotzeit.
Bei den Ausführungen von Dr. Döring, die für weiterführende Klassen gedacht waren, ging es im Sinne der didaktischen Reduktion auf die eigene Reflexion zu verschiedenen Aspekten, die die Exponate des Museums ansprechen. Dazu sollten die Schüler nach der Führung einen Fragebogen ausfüllen, die die Lehrer vorbereitet haben. Beispiele solcher Fragen sind „Wie ging es den Arbeitern“ , „Wozu wurde das ganze Eisen benötigt?“ Um zu antworten, können die Schüler bestimmte Räume und Stationen allein oder in kleinen Gruppen nochmals aufsuchen und ihr Wissen vertiefen. Der Bogen endet mit einer Bewertung des Gesehenen; „Hat es Euch gefallen oder nicht?“ ist die letzte Frage.
Als eine der größten Hürden für einen Museumbesuch im Achthal haben die beiden Referenten den Weg dorthin mit den Buskosten ausgemacht. Auch dazu hatten sie aber eine Lösungsmöglichkeit parat, die bei Interesse bei Rektorin Sabine Glück-Beer erfragt werden kann.
Zum Abschluss der Fortbildung ließen Rosi und Hans Fürmann den Museumsrundgang anhand einiger Bilder nochmal Revue passieren und setzten das Bergbaumuseum in den Kontext zur Biosphärenregion Berchtesgadener Land; denn wie diese zeigt es das Leben in all seinen Facetten, zwischenmenschlich und beruflich mit Brauchtum, Natur, Ressourcen und mahnt zu deren nachhaltigem Verbrauch.
Gut geplant und vorbereitet, in enger Absprache mit den Museumsmitarbeitern, kann ein Besuch des Bergbaumuseums mit entsprechender Nachbereitung nur positiv sein, so das Fazit der Anwesenden. Er kann zur nachhaltigen und kulturellen Bildung der Schüler beitragen, die Bedeutung der Heimat festigen, den Wandel in der Zeit erkennbar machen, komplexe technische Prozesse verständlicher machen und nicht zuletzt den Schülern auch die bayerische Sprache näherbringen. Denn in jedem Raum des Museums gibt es eine bayerische Raumüberschrift zu erlesen, wie „“In groaßa Hitzn“, “Vire schaugn“, „Gscheid doa“, die die Kinder lesen und ins Hochdeutsche übersetzen können. „Voi schee“!
(Presseberich: Dr. Monika Konnert)


